Der Fluch der Ressourcen
Die besetzte Westsahara verfügt über eines der größten Phosphatvorkommen der Welt und vielleicht die Küstengewässer mit dem größten Fischreichtum in Afrika. Zudem besteht die Möglichkeit, dass entlang des Küstenstreifens erhebliche Erdöl- und Gasreserven auf ihre Erschließung warten könnten. Die wertvollen Naturressourcen haben wohl schon immer die Bestrebungen Marokkos zur Besetzung der Westsahara mitbestimmt.
Veröffentlicht: 16.06 - 2010 11:40Druckversion    
Marokkos illegale Bestrebungen haben sich oft einer Rückendeckung seitens internationaler Handelsinteressen erfreut. Sowohl unter ethischen als auch unter politischen oder rechtlichen Gesichtspunkten ist es schon sehr problematisch, Handelsinteressen in eine Zusammenarbeit mit marokkanischen Behörden verwickelt zu sehen, um ihre Geschäfte in den besetzten Gebieten abzuwickeln. Die betroffenen Firmen berufen sich darauf, dass sie so einen Beitrag zu einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung Marokkos leisten. Damit entstellen sie aber die wahren Gegebenheiten. Erstens stellt die Westsahara nicht einen Teil Marokkos dar, zweitens tragen sie außerdem mit ihrem Beitrag auch noch mit dazu bei, Marokkos unrechtmäßigen Anspruch auf sein südliches Nachbarland zu untermauern.

bou_craa_mine_1987-2000_390.jpgEine Anzahl internationaler Unternehmen werden heutzutage zu politischen Akteuren, die sich durch den Konflikt bereichern. Während Marokko die Besatzung durch eine Ausbeutung der Ressourcen des Landes finanziert, sehen sich die meisten Saharauis dazu verurteilt, in Flüchtlingslagern in Armut und unter miserablen Bedingungen in der algerischen Wüste zu überleben und ohne in den Genuß des Nutzens zu kommen, der anderen durch gewinnträchtige Handelsaktivitäten in ihrem Heimatland zugute kommt.

Die in der Westsahara tätigen Unternehmen gewährleisten die Beschäftigung von dort illegal aus Marokko eingeschleusten Siedlern, sowohl durch direkte Investitionen als auch durch den Export von Fischereiprodukten in Drittländer.

Aktivitäten dieser Art unterhöhlen die Wünsche und Interessen des weitaus größten Teils der saharauischen Bevölkerung und stellen deshalb auch eine Verletzung internationalen Rechts dar. Eine lange Liste von UN-Resolutionen und internationaler Abkommen bezeichnen diese Tätigkeiten als illegal. Sie finden eine Zusammenfassung der UN-Stellungnahme hier.

Seitdem im Jahre 2005 die Western Sahara Resource Watch (WSRW) ihre Arbeit aufgenommen hat, hat sie internationale Unternehmen aktiv dazu aufgefordert, keine Geschäftsausweitung auf die Westsahara zuzulassen.

Das WSRW-Netz hat sich aktiv an der Koordinierung internationaler Kampagnen gegen Firmen wie TGS-Nopec (Norwegen), Fugro (Holland), Thor Offshore (Dänemark), Wessex Exploration (Großbritannien), und Total (Frankreich) beteiligt. Diese Unternehmen haben inzwischen die Westsahara verlassen.

Im Juni 2005 hat die staatliche norwegische Rentenversicherung erstmals alle ihre Aktien einer Firma aus ethischen Gründen abgestoßen. Aus diesem Anlass wurden 337 Millionen NOK aus dem multinationalen Konzern Kerr-McGee wegen seiner Aktivitäten in der Westsahara abgezogen. Dieser Beschluss wurde gefasst, nachdem es zu einer formellen Beschwerde des Norwegischen Unterstützungskomitees für die Westsahara gekommen war.

Hier die eingehende Begründung des Ethikausschusses der Rentenversicherung und die Pressemitteilung des Finanzministeriums Norwegens hier.

Als sich das abgezogene Kapital auf fast 70 Millionen € belief, zog sich Kerr-McGee schließlich aus der Westsahara zurück. Seitdem haben sich ein Dutzend Firmen nach entsprechendem Druck der Western Sahara Resource Watch aus der Westsahara zurückgezogen. Eine von ihnen ist die norwegische Düngerfirma Yara, die ankündigte, dass das Unternehmen nicht mehr beabsichtigt, seine Importe aus der Westsahara fortzusetzen. Auch eine Reihe von Schifffahrtslinien haben angekündigt, keine weiteren Transporte von Waren aus der besetzten Westsahara mehr vornehmen zu wollen.

Marokko, das seine Aktivitäten neben Fisch, Phosphaten sowie Erdöl und Gas ausweiten will, konzentriert seine Untersuchungen nun auf andere Minerale in den besetzten Gebieten, so das Diamanten ähnelnde Zirkonium und Uran.

    


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Marokko hält den größten Teil seines Nachbarlandes, der Westsahara, besetzt. Jede Geschäftsbeziehung mit marokkanischen Firmen oder Verwaltungen in den besetzen Gebieten verleiht dieser Besetzung ein Stück politische Legitimität. Sie schafft Arbeitsplätze für marokkanische Siedler und verschafft der marokkanischen Regierung Einnahmen. Western Sahara Resource Watch fordert alle ausländischen Firmen auf, die Westsahara zu verlassen, bis eine Lösung dieses Konfliktes herbeigeführt worden ist.
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