Total kehrt in die Westsahara mit einem riesigen Öl-Kontrakt zurück
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Es erregte Aufsehen im Sicherheitsrat als der französische Öl-Gigant Total 2001 eine Erkundungslizenz für die besetzte Westsahara unterzeichnete. Drei Jahre später zog er sich zurück – aber jetzt ist er wieder da!
Veröffentlicht: 02.12 - 2012 22:43Druckversion    
Aktuell: Wird die Total Lizenz noch in dieser Woche erneuert?
Aus aktueller Sicht von WSRW wurde der neue Lizenzvertrag über Öl- und Gas-Ausbeutungen in der besetzten Westsahara bereits vor einem Jahr gezeichnet. Es ist zu befürchten, dass dieser Vertrag bereits in der ersten Dezemberwoche in Kraft treten wird. WSRW fordert alle Total-Aktionäre_innen auf, sofort zu reagieren!
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Bereits im Juli 2011 hatte WSRW darauf hingewiesen, dass die staatliche marokkanische Ölgesellschaft ONHYM drei neue große Blöcke im südlichen Teil vor der Küste der Westsahara zu Erkundungszwecken ausgewiesen hatte. Lt. ONHYM-Karte hatte bis zu diesem Zeitpunkt niemand Interesse an derartigen Erkundigungen gezeigt.

Mittlerweile hat sich das Blatt aber schon wieder zu Ungunsten der Saharauis gewendet; denn der französische Konzern Total hat Erkundungsverträge innerhalb eines riesigen Seegebietes von wahrhaftigem Monsterausmaß abgeschlossen: Aus der neuen Karte auf der ONHYM Internetseite geht hervor, dass im vorherigen Jahr drei Blöcke zu einem einzigen Block mit dem erstaunlichen Ausmaß von 100.926,70 qkm vereinigt wurden. Dieser neue Block trägt die Bezeichnung Anzarane Offshore und ist rosa farbig in der Karte oben dargestellt.

Zwar geht aus der Karte [zum download] keine Ausschreibung oder ein Erkundungsdatum hervor, hier deutet lediglich das Erstellungsdatum des entsprechenden PDFs auf den 8. März 2012 hin. Eine Übersicht, die am 27. Febr. 2012 auf den ONHYM-Internetseiten veröffentlicht wurde, zeigt, dass die Erkundungslizenz bereits erteilt worden ist und dass weitere Lizenzen schon 2011 vereinbart worden sind. Die Bezeichnung für diesen Block und Total’s Beteiligung geht auch aus einer Datei [zum download] hervor, die von Longreach Oil and Gas am 19. März 2012 veröffentlicht wurde. Der Longreach Bericht erwähnt, dass für einen Total offshore Block „kürzlich“ gezeichnet wurde. Erst jetzt ist deutlich, wo sich dieser Anzarane Block tatsächlich befindet. WSRW weiß nicht, wann genau die neue ONHYM-Karte 2012 hochgeladen wurde. Einer Quelle zufolge liegt Total’s Beteiligung in Anzarane bei 75%.

Total hatte 2004 seine ersten Erkundungen eingestellt und dies mit „fehlenden Potentialen“ in der Region begründet. Es hat aber nie an Gerüchten gemangelt, dass Total zurückkehren würde. Jetzt ist Total wieder da, und zwar in derselben Region, die es bereits verlassen hatte; allerdings ist das Konzessionsgebiet jetzt wesentlich größer als es in den Jahren 2001 – 2004 war.

„Total’s Rückkehr in die besetzte Westsahara ist eine traurige Nachricht für das saharauische Volk. Mit diesem Schritt hintertreibt Total die Friedensbemühungen der Vereinten Nationen und verstößt gegen das Völkerrecht. Wir appellieren an das Unternehmen, seine Entscheidung sofort zu überdenken“, erklärte Erik Hagen, Vorsitzender von Western Sahara Resource Watch.

Hagen fügte hinzu, dass WSRW so bald wie möglich eine direkte Anfrage an Total richten wird, ob die Informationen auf der Internetseite des marokkanischen Staatsunternehmens zutreffen, zumal sich bisher keinerlei derartige Informationen über den Anzarane Block auf den Internetseiten Totals finden.

Als Total – damals TotalFinaElf – 2001 für dasselbe Gebiet eine Erkundungs-Lizenz zeichnete, holte der Sicherheitsrat ein Gutachten seiner Rechtsabteilung über die Rechtmäßigkeit eines solchen Vertrages mit Marokko ein. Die Rechtsabteilung kam damals zu dem Schluss, dass die Erkundung und die Ausbeutung von Rohstoffen gegen das Völkerrecht verstoße, wenn dies unter Missachtung der Wünsche und Interessen der rechtmäßigen Bevölkerung geschähe.

Und genau, das geschieht jetzt.

    


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Marokko hält den größten Teil seines Nachbarlandes, der Westsahara, besetzt. Jede Geschäftsbeziehung mit marokkanischen Firmen oder Verwaltungen in den besetzen Gebieten verleiht dieser Besetzung ein Stück politische Legitimität. Sie schafft Arbeitsplätze für marokkanische Siedler und verschafft der marokkanischen Regierung Einnahmen. Western Sahara Resource Watch fordert alle ausländischen Firmen auf, die Westsahara zu verlassen, bis eine Lösung dieses Konfliktes herbeigeführt worden ist.
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