Siemens macht Geschäfte in der besetzten Westsahara
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Trotz anhaltender Proteste ist die deutsche transnationale Siemens AG bereits dabei, Bauteile für Windkraftanlagen nach El  Aaiún in die besetzte Westsahara zu verschiffen. Dabei geht das Unternehmen eine Partnerschaft mit der gleichen königlichen Familie ein, die für die brutale Besetzung dieses Gebietes verantwortlich ist.
Veröffentlicht: 05.03 - 2013 08:50Druckversion    
Aktuelle Fotos aus dem Hafen von El Aaiun, die dort in der vergangenen Woche aufgenommen wurden, zeigen, dass Siemens bereits dabei ist, Turbinen und anderes technisches Gerät für das Windpark-Projekt in Foum el Qued in der Nähe von El Aaiún in die besetzte Westsahara zu liefern. Die heute hierzu veröffentlichten Fotos stehen Ihnen frei zur Verfügung.

Siemens Projektpartnerin ist die Nareva Holding, eine marokkanische Industrie- und Finanzgruppe, als Eigentümerin und Betreiberin des Windparks. Nareva soll sich im Besitz der marokkanischen königlichen Familie befinden, der gleichen königlichen Familie also, die 1975 den Einmarsch in die Westsahara befohlen hatte. Die Hälfte des saharauischen Volkes muss seitdem als Flüchtlinge leben. Saharauis, die gegen ihre fortlaufende  sozioökonomische Diskriminierung im eigenen Land protestierten, wurden vor zwei Wochen von einem Militärgericht zum Teil zu lebenslanger Haft verurteilt.

Die Bauteile wurden im Laufe der letzten Wochen auf dem Seeweg aus Deutschland angeliefert.

WSRW schätzt, dass seit Ende Dezember 2012 bis zu neun Schiffe an Transporten von Teilen für Windkraftanlagen aus Deutschland beteiligt sind. Alle diese Schiffe gehören der Deutschen Chartergesellschaft Briese Schifffahrts GmbH & Co aus Leer. WSRW hat die Gesellschaft um Aufklärung über die Anwesenheit ihrer Schiffe im Hafen von El Aaiún  gebeten, aber bisher keine Antwort erhalten.

Im Jahr 2012 wurde versucht, für das Siemens - Nareva Projekt Emissionsgutschriften aus dem „Clean Development Mechanism: CDM“ der  Vereinten Nationen zu erhalten. Dies wurde jedoch abgelehnt: Und zwar genau aus dem Grunde, weil eine der Anlagen außerhalb der international anerkannten marokkanischen Grenzen, nämlich in der besetzten Westsahara geplant ist.

"Es ist traurig zu beobachten, wie ein Unternehmen auf diese Weise seine selbst formulierte unternehmerische soziale Verantwortung überhaupt nicht ernst nimmt,“ stellte Sara Eyckmans, internationale Koordinatorin von Western Sahara Resource Watch (WSRW), fest.

„Aber Siemens sollte es besser wissen. Dem marokkanischen Königshaus dabei zu helfen, sich durch die Projekt-Zusammenarbeit in einem Gebiet, in das die gleiche königliche Familie eingedrungen ist, zu bereichern, stellt eine Verletzung aller ethischen Minimal – Standards dar, die man von einem internationalen Unternehmen erwarten kann.  Aktivisten, die sich generell gegen ein solches Verhalten dieses Unternehmens ausgesprochen haben, sind mit lebenslangen Gefängnisstrafen konfrontiert. Mit welcher Ernsthaftigkeit sollte dieser König denn Friedensgespräche führen, wenn er aus solchen Projekten mit Siemens großen Profit schlagen kann?“, fragte Eyckmans weiter.

Darüber hinaus bemerkte sie, dass WSRW sich mehrfach an Siemens gewandt hat, mit der Bitte um Klarstellungen, wie Siemens seine Verpflichtungen gegenüber dem „Global Compact der Vereinten Nationen“, einer Initiative für Unternehmen zur Förderung einer Reihe von Prinzipien für ethisches Geschäftsgebaren, einzuhalten gedenke. WSRW hat bis heute darauf keinerlei Antworten erhalten. Auf ihren Internetseiten behauptet das Unternehmen, der Projekt – Standort würde sich in „Marokko“ befinden.

Im Januar hat WSRW daher den „UN Global Compact“ aufgefordert, Siemens auszuschließen, weil es sich der Kommunikation mit der Zivilgesellschaft verweigert.

Anfang letzten Monats traf eine deutsche Regierungsdelegation mit zwei führenden saharauischen Menschenrechtsorganisationen im besetzten El Aaiún zusammen. Es ist nicht bekannt, ob das Geschäftsgebaren von Siemens Gegenstand des Gespräches zwischen den deutschen Regierungsvertretern und den saharauischen Menschenrechtsgruppen war.

Alle hierzu veröffentlichten Fotos wurden in der vergangenen Woche von WSRW im Hafen von El Aaiún aufgenommen und stehen für die Berichterstattung frei zur Verfügung.


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Marokko hält den größten Teil seines Nachbarlandes, der Westsahara, besetzt. Jede Geschäftsbeziehung mit marokkanischen Firmen oder Verwaltungen in den besetzen Gebieten verleiht dieser Besetzung ein Stück politische Legitimität. Sie schafft Arbeitsplätze für marokkanische Siedler und verschafft der marokkanischen Regierung Einnahmen. Western Sahara Resource Watch fordert alle ausländischen Firmen auf, die Westsahara zu verlassen, bis eine Lösung dieses Konfliktes herbeigeführt worden ist.
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