HeidelbergCement expandiert in der besetzten Westsahara
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Letzte Woche hat der deutsche Konzern eine weitere Zementfabrik in der besetzten Westsahara erworben.
Veröffentlicht: 11.05 - 2020 17:44Druckversion    
Foto oben: HeidelbergCement kontrolliert bereits ein Zementwerk in der Westsahara, die CIMAR-Einheit außerhalb von El Aaiun (siehe Bild). Jetzt besitzen sie ein zweites Werk in der Nähe.

Das marokkanische Zementunternehmen Cimenteries Marocaines du Sud (CIMSUD), das eine Zementproduktionsanlage in der Nähe von El Aaiún in der besetzten Westsahara betreibt, wurde nun von dem deutschen Unternehmen HeidelbergCement übernommen.  

Dies geht aus einer Pressemitteilung hervor, die am 4. Mai 2020 von Ciments du Maroc herausgegeben wurde [oder herunterladen]. In der Pressemitteilung wird erklärt, dass die Übernahme am 4. Mai 2020 abgeschlossen wurde, nachdem am 26. Juli 2019 eine Vereinbarung mit dem vorherigen Eigentümer Anouar Invest unterzeichnet worden war.

Der Käufer, Ciments du Maroc, wird zu 51% vom deutschen Zementkonzern HeidelbergCement kontrolliert.

Die Zementindustrie ist von grundlegender Bedeutung für die marokkanische Besetzung des Territoriums, einschließlich der Siedlungspolitik und dem Ausbau der Schlüsselindustrien, die unter Verletzung des Völkerrechts vorangetrieben werden.

Marokkanische Medien schrieben 2016, dass die Entscheidung des Anouar-Konzerns für den Bau des CIMSUD-Werks "zur Unterstützung der Entwicklung der südlichen Regionen im Zuge der zahlreichen Infrastruktur-Investitionsprojekte (OCP-Komplex, Hafen, Technopole, Straßen usw.) und der in den südlichen Provinzen geplanten Wohnungsbauprojekte" getroffen wurde. Die neue Einheit wird es somit ermöglichen, die wachsende Zementnachfrage in der Region zu decken". [oder herunterladen]

Die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages haben erst im vergangenen Jahr einen Bericht über die rechtlichen Folgen der marokkanischen Siedlungspolitik in der Westsahara veröffentlicht, einem Territorium, das Marokko seit 1975 illegal besetzt. HeidelbergCement ist durch seine Zementproduktion ein wichtiger Partner der im Bericht der Wiss. Dienste des Bundestages beschriebenen illegalen Annexions- und Siedlungspraktiken Marokkos.

Soweit für Western Sahara Resource Watch (WSRW) aus Medienberichten ersichtlich, hat sich der Bau des CIMSUD-Werks mehrfach verzögert. CIMSUD "erlebt Verzögerungen beim Bau", berichtete Jeune Afrique am 30. Juli 2019 [oder herunterladen]. "Die Inbetriebnahme war laut der Mitteilung der Gruppe für Juli 2017 geplant. Nach unseren Informationen sollte sie nicht weiter verzögert werden", beschrieb Jeune Afrique.

Noch am 4. Mai 2020, dem Tag des Abschlusses der Übernahme durch HeidelbergCement, war aus marokkanischen Medienberichten nicht klar zu erkennen, ob das Werk fertiggestellt ist oder nicht. Challenge.ma teilte mit, dass der Vorbesitzer Anouar Invest die beiden großen Investitionen, die er einige Jahre zuvor angekündigt hatte, immer noch nicht abgeschlossen hatte - eine davon war CIMSUD.

Die CIMSUD-Fabrik ist somit die zweite Einheit, die der deutsche Konzern auf besetztem Territorium kontrolliert. Über Ciments du Maroc besitzt HeidelbergCement bereits die Zementeinheit CIMAR am Rande der Stadt El Aaiun.

WSRW hat sich mehrmals an HeidelbergCement bezüglich des CIMAR-Geschäfts gewandt, aber nie eine Antwort erhalten. Die Frage der Aktivitäten von HeidelbergCement auf besetztem Land wurde auf der Jahreshauptversammlung des Unternehmens im Jahr 2019 von einer  sahrauischen Geflüchteten im Namen der saharauischen Jugend und der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre angesprochen. Anstatt ihre Frage zu beantworten, erklärte das Unternehmen, dass es lokale Sportvereine unterstütze.

Das Unternehmen stellt die Westsahara konsequent als Teil Marokkos dar, im Gegensatz zu den Vereinten Nationen und internationalen Gerichtshöfen.  

Das CIMSUD-Werk selbst wurde von einem anderen deutschen Unternehmen, ThyssenKrupp, errichtet, laut einer Pressemitteilung über die Unterzeichnung des Vertrags am 17. Februar 2016 [oder herunterladen]. Hier eine weitere, undatierte Mitteilung von Anouar Invest zum ursprünglichen Bau der Fabrik [oder herunterladen].


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