Die Besetzung der Westsahara
Der größte Teil der Westsahara ist seit 1975 von Marokko besetzt.
Veröffentlicht: 16.06 - 2010 11:26Druckversion    
Illegal hat Marokko sein Nachbarland, Westsahara, brutal besetzt. Während die Saharauis, das Volk der Westsahara rechtmäßig um Freiheit kämpft, hat kein Land der Welt die marokkanischen Ansprüche auf das Gebiet anerkannt. Die Vereinten Nationen behandeln die Westsahara als die letzte ausstehende Kolonialfrage in Afrika.

Die marokkanische Besetzung widerspricht der Entscheidung des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag und verletzt mehr als 100 UN-Resolutionen, die sich für ein Selbstbestimmungsrecht der Westsahara-Bevölkerung einsetzen.

Die UNO hat die Unabhängigkeit und Dekolonisation der vormals spanischen Kolonie seit den sechziger Jahren ständig gefordert, als diese noch „Spanisch-Sahara“ genannt und von Spanien verwaltet wurde.

Allerdings verweigerte Spanien noch unter der Franco-Diktatur nach heftigem Druck seitens Marokko und Mauretanien den Saharauis ihr Recht und erlaubte beiden Nachbarländern am 31. Oktober 1975 eine Invasion der Westsahara. Marokko drang aus dem Norden und Mauretanien aus dem Süden in das Gebiet ein. Die Saharauis, die sich bereits unter spanischer Kolonialherrschaft in einer Freiheitsbewegung gegen diese organisiert hatten, wurden niemals befragt, was sie von diesem spanischen Abkommen mit den beiden Nachbarstaaten hielten.

„So hat das Gericht keine Rechtsbindungen irgendwelcher Art festgestellt, die einer Anwendung der Resolution der Generalversammlung 1514 (XV) über eine Dekolonisation der Westsahara widersprechen und insbesondere dem Prinzip der Selbstbestimmung durch eine freie und tatsächliche Willensäußerung der Bevölkerung des Gebiets.“
Internationaler Gerichtshof, 16. Oktober 1975

„Die Generalversammlung [...]bedauert die Verschlimmerung der Situation zutiefst, die sich aus der weitergeführten Besetzung der Westsahara durch Marokko und der Ausdehnung dieser Besetzung auf das kürzlich von Mauretanien geräumte Gebiet ergibt.
UN-Generalversammlung 34/37, 1979
Die Besetzung wurde sehr gewaltsam in die Wege geleitet. Während die marokkanische Luftwaffe Westsahara-Ansiedlungen mit Napalm bombardierte, wurden die meisten der im Gebiet ansässigen Saharauis gezwungen, ihr Heim im Stich zu lassen und in die algerische Wüste zu fliehen.

Mauretanien verzichtete 1979 auf seinen Anspruch auf die Westsahara und zog sich endgültig aus dem Süden des Gebiets zurück. Doch Marokko dehnte seine Besetzung von Norden aus weiter aus.

Die saharauische Bevölkerung rief im Exil ihre eigene Republik aus, die inzwischen von über achtzig anderen Staaten anerkannt wurde. Trotzdem weigert sich die Welt weiterhin, internationales Recht durchzusetzen und der Besetzung ein Ende zu bereiten.

Die saharauische Befreiungsbewegung, die unter ihrer spanischen Kurzbezeichnung Frente Polisario (Volksfront zur Befreiung von Saguia el Hamra und Río de Oro) bekannt wurde, hat den marokkanischen Truppen 16 Jahre Widerstand geleistet und konnte etwa ein Fünftel des Landes zurückgewinnen. Als Gegenantwort errichtete Marokko einen über 2.000 km langen Sandwall, der immer weiter befestigt und mit Minen versehen wurde, der die saharauischen Flüchtlinge von ihren Landsleuten trennt, die noch in den besetzten Gebieten leben. Im Jahre 1991 kam es durch Vermittlung der Vereinten Nationen zu einem Waffenstillstand und der Übereinkunft, eine Volksabstimmung abzuhalten, um die Saharauis über die Zukunft der Westsahara bestimmen zu lassen. Dennoch warten die Saharauis immer noch darauf, dass diese Abstimmung endlich stattfindet.  

Marokko lehnt inzwischen ein Referendum ab. Die Vertreter der Saharauis haben sogar akzeptiert, alle illegal in das Gebiet eingewanderten Marokkaner am Referendum teilnehmen zu lassen. Auch das hat Marokko abgelehnt. Stattdessen hat seine Regierung vorgeschlagen, die Westsahara in das marokkanische Königreich zu integrieren.

Zehntausende von Saharauis leben immer noch unter der marokkanischen Besatzungsmacht in der Westsahara. Obwohl die Saharauis Terrorismus als politische Taktik ausgeschlossen haben, sehen sie ihr Leben und ihre Aktivitäten erheblich durch ein raues Sicherheitsregime eingeschränkt.

Die saharauische Flagge ist aus diesem Teil der Westsahara verbannt, und es ist illegal, sich für einen selbständigen Staat auszusprechen. Schon allein die Forderung nach einer Einhaltung der Menschenrechte führt zum Ausradieren von Organisationen und zur Festnahme ihrer Führer. Dennoch lassen sich immer wieder Saharauis nicht den Mund verbieten.

Über 500 Saharauis sind immer noch in marokkanischem Gewahrsam „verschwunden“ und überleben vermutlich als politische Gefangene. Von vielen hat man bereits seit mehr als dreißig Jahren nichts mehr gehört. Familienangehörige wurden festgenommen und gefoltert, nur weil sie dafür eingetreten sind, etwas über deren Schicksal in Erfahrung zu bringen.

Während Saharauis in ihrem eigenen Heimatland Menschenrechtsverletzungen durch eine ausländische Kolonialmacht ausgesetzt sind, schaut die internationale Gemeinschaft ganz einfach anderswo hin.

Viele Regierungen verhalten sich widersprüchlich in Sachen Westsahara. Einerseits behaupten sie, UN-Bemühungen zur Lösung des Konflikts zu unterstützen. Andererseits schließen sie jedoch Handelsabkommen mit Marokko ab – innerhalb des besetzten Gebiets.

    

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Marokko hält den größten Teil seines Nachbarlandes, der Westsahara, besetzt. Jede Geschäftsbeziehung mit marokkanischen Firmen oder Verwaltungen in den besetzen Gebieten verleiht dieser Besetzung ein Stück politische Legitimität. Sie schafft Arbeitsplätze für marokkanische Siedler und verschafft der marokkanischen Regierung Einnahmen. Western Sahara Resource Watch fordert alle ausländischen Firmen auf, die Westsahara zu verlassen, bis eine Lösung dieses Konfliktes herbeigeführt worden ist.
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