Die Ausfuhr von Phosphaten aus der Westsahara
Wussten Sie, dass es in der Westsahara das längste Förderband der Welt gibt?
Es transportiert Phosphat von den Phosphatminen in Bou Craa über eine Distanz von mehr als 100 km bis in den Hafen von El Aaiún, der Hauptstadt der Westsahara.
Von dort wird das Phosphat mit Frachtschiffen in die ganze Welt transportiert, wo es vor allem zu Dünger weiterverarbeitet wird. Der aus diesen Exporten resultierende Gewinn beschert Marokko grosse Einnahmen, seit es dieses das Gebiet der Westsahara besetzt hält.
Veröffentlicht: 16.06 - 2010 14:42Druckversion    
1968 waren noch 1600 Saharauis in der Phosphatindustrie der Westsahara beschäftigt.
Mittlerweile wurde die Mehrheit von ihnen durch marokkanische Staatsbürger ersetzt, welche in die besetzten Gebiete der Westsahara umgesiedelt wurden. Heute sind von den 1900 Angestellten in der Phosphatbranche nur noch rund 200 saharauischer Herkunft. Diese werden im Vergleich mit ihren marokkanischen Kollegen benachteiligt. Seit 1975 wurden nur noch wenige Saharauis neu eingestellt, und die meisten der ursprünglichen saharauischen Minenarbeiter wurden entlassen.

Eine UN-Delegation, die aus Anlass der Entkolonialisierung 1975 die damalige Spanische Sahara besuchte, schrieb in ihrem Bericht, dass "dieses das Gebiet einmal zu den größten Phosphatexporteuren der Welt" (Shelley 2004:71) gehören wird. Die Delegation prognostizierte sogar, dass eine freie Westsahara hinter Marokko der zweitgrößte Phosphatexporteur der Welt werden würde. Doch soweit kam es nicht, denn eben dieses Marokko besetzte das Gebiet nur wenige Monate später. Heute steuern die Minen von Bou Craa rund 10 % an die marokkanische Phosphatproduktion bei. In Bou Craa werden jährlich rund 3 Millionen Tonnen Phosphat gefördert; für Marokkos Staatskasse resultiert daraus ein nicht zu vernachlässigendes Einkommen.


Während der bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der Polisario und Marokko in den Achtzigerjahren wurden die Minen wie auch die Förderanlagen immer wieder beschädigt. Dies führte zu Produktionsunterbrüchen. Die Angriffe auf die Produktionsanlagen endeten erst mit dem Waffenstillstandsabkommen von 1991; dennoch wurden seither immer wieder Sabotageangriffe auf das Förderband verübt, zuletzt im September 2007.

Im Jahr 2005 wurde bekannt, dass der norwegische Phosphat-Riese "Yara" Rohstoffe aus Bou Craa importiert hatte. In der Zeit von 1995 bis 2005 importierte Norwegen aus der Produktion von Bou Craa Phosphate im Umfang von 27'000 Tonnen. Mittlerweile kommuniziert das Unternehmen dass es gewillt ist, "... unter der gegenwärtigen Situation von weiteren Phosphatimporten aus der Westsahara abzusehen.“  Seit 2007 verzichtet die norwegische Reederei "Arnesen Shipbrockers" auf eine Weiterführung von Phosphattransporten aus der Westsahara.

WSRW wird den Phosphatabbau in der besetzten Westsahara weiterhin überwachen und internationale Unternehmen, welche sich am Transport, der Weiterverarbeitung und am Verkauf von Phosphaten aus den Minen von Bou Craa beteiligen, ermitteln und publik machen.

Eine Vielzahl von UN-Resolutionen bestätigen, dass der Abbau und Handel mit Phosphat aus der von Marokko besetzten Westsahara dem Völkerrecht widersprechen.

In diesem Video erfahren Sie mehr zum Thema Phosphatabbau in der Westsahara.





    

Ganz nach oben


EN ES FR DE AR


Marokko hält den größten Teil seines Nachbarlandes, der Westsahara, besetzt. Jede Geschäftsbeziehung mit marokkanischen Firmen oder Verwaltungen in den besetzen Gebieten verleiht dieser Besetzung ein Stück politische Legitimität. Sie schafft Arbeitsplätze für marokkanische Siedler und verschafft der marokkanischen Regierung Einnahmen. Western Sahara Resource Watch fordert alle ausländischen Firmen auf, die Westsahara zu verlassen, bis eine Lösung dieses Konfliktes herbeigeführt worden ist.
WSRW braucht Ihre Unterstützung

tn_sjovik_demo_610.jpg

Bitte helfen Sie uns, die natürlichen Ressourcen der Westsahara für das saharauische Volk zu bewahren. Unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende.

WSRW.org Archiv 2013
WSRW.org Archiv 2012
WSRW.org Archiv 2011
WSRW.org Archiv 2010
WSRW.org Archiv 2005 - 2010






Diese Internetseiten wurden von der norwegische Gewerkschaft Industri Energi gefördert