Aminatu Haidar – Offener Brief an das EU-Parlament
haidar_610.jpg

“Ich wünsche mir eine freie Gesellschaft in der Westsahara. die in der Lage ist, selbst zu entscheiden, wie sie ihre natürlichen Ressourcen verwenden will. Der wirtschaftliche Nutzen soll meinem Volk zu Gute kommen und nicht der marokkanischen Besatzungsmacht, die mit der Unterstützung des Königs und der marokkanischen Armee unser Territorium einnimmt und unseren Reichtum raubt." Aminatou Haidar, die prominente Menschenrechtsaktivistin der Westsahara, richtete sich heute in einem Brief an das Europäische Parlament.
Veröffentlicht: 09.12 - 2013 20:09Druckversion    
Der folgende Brief wurde heute von Aminatu Haidar an die Mitglieder des Europäischen Parlaments gesendet. Frau Haidar ist Präsidentin der sahrauischen Menschenrechtsorganisation CODESA.

Aminatu Haidar wurde 2010 für den Sacharow-Preis für geistige Freiheit (auch EU-Menschenrechtspreis genannt) nominiert.

Sie erhielt zudem mehrere Auszeichnungen für ihre Arbeit:

ü Solidar Silver Rose Award 2007

ü Robert F. Kennedy Human Rights Award 2008

ü Zivilcourage-Preis 2009

ü Bremer Solidaritätspreis2013


Dutzende von Saharauis, die vergangenes Wochenende gegen das EU-Fischereiabkommen mit Marokko protestierten, wurden von der Polizeigewalt verletzt.


Eine Nachricht von Aminatou Haidar

Sehr geehrtes Mitglied des Europäischen Parlaments,

Am 8. Oktober nahmen Sie einen Bericht über die Menschenrechte in meinem Land zur Kenntnis und hießen diesen gut. Ihr Parlament sagte: „Marokkanische Beamte halten Menschen aus politischen Gründen in Haft, setzen Gefangene der Foltern und der Vergewaltigung aus, entführen saharauische Demonstranten und setzen diese zur Einschüchterung in der Wüste aus. Saharauis, die sich für die Unabhängigkeit engagieren, sind häufig das Ziel von Angriffen, selbst in ihrem Zuhause."

Ihr Parlament prangerte auch das willkürliche Verschwinden-Lassen und die unfairen Gerichtsverfahren an und rief zur unverzüglichen Freilassung aller saharauischen politischen Gefangenen auf. Für die Verteidiger der Menschenrechte in der besetzten Westsahara war dies ein enorm positives Signal seitens der Vertreterinnen und Vertreter der europäischen Demokratien.

Ich bin selbst eine ehemalige politische Gefangene und habe die Folter in den Fängen der marokkanischen Behörden erlebt und erlitten. In vielen Ländern würde die Genehmigung des Abkommens als ein Belohnung Marockos angesehen, nicht nur finanziell sondern auch im Hinblick auf marockanische Ansprüche auf das Territorium. Diesem Abkommen zuzustimmen, ohne Klauseln, die die Gewässer der Westsahara ausschließen, würde ein Signal senden, wonach die Europäische Union bereit wäre, wirtschafltiche Interesssen vor Meschenrechte zu setzen.

Aber demnächst haben Sie eine andere Entscheidung zu treffen. Das neue Protokoll zum Fischereiabkommen mit Marokko, das am 10. Dezember 2013 zur Abstimmung ansteht, verstößt einerseits gegen das Völkerrecht, weil es neben den Hoheitsgewässern Marokkos auch die der Westsahara mit einschließt; andererseits beinhaltet es die schwächsten Menschenrechtsbestimmungen aller bilateralen Fischereiabkommen, die die EU in den letzten Jahren ausgehandelt hat.

Ich wünsche mir eine freie Gesellschaft in der Westsahara. die in der Lage ist, selbst zu entscheiden, wie sie ihre natürlichen Ressourcen verwenden will. Der wirtschaftliche Nutzen soll meinem Volk zu Gute kommen und nicht der marokkanischen Besatzungsmacht, die mit der Unterstützung des Königs und der marokkanischen Armee unser Territorium einnimmt und unseren Reichtum raubt.
Sie haben nun eine Chance, Demokratie, Menschenrechte und Freiheit zu unterstützen.

Ich bitte Sie, entscheiden Sie sich bei der Abstimmung vom 10. Dezember für ein NEIN zum Fischerei-Protokoll zwischen der EU und Marokko.


Aminatou Haidar

Robert F. Kennedy Human Rights Award 2008
Solidar Silver Rose Award 2007
Zivilcourage-Preis 2009
Bremer Solidaritätspreis2013
Sacharow-Preis für geistige Freiheit, nominiert 2010


    


EN ES FR DE AR


Marokko hält den größten Teil seines Nachbarlandes, der Westsahara, besetzt. Jede Geschäftsbeziehung mit marokkanischen Firmen oder Verwaltungen in den besetzen Gebieten verleiht dieser Besetzung ein Stück politische Legitimität. Sie schafft Arbeitsplätze für marokkanische Siedler und verschafft der marokkanischen Regierung Einnahmen. Western Sahara Resource Watch fordert alle ausländischen Firmen auf, die Westsahara zu verlassen, bis eine Lösung dieses Konfliktes herbeigeführt worden ist.
WSRW braucht Ihre Unterstützung

tn_sjovik_demo_610.jpg

Bitte helfen Sie uns, die natürlichen Ressourcen der Westsahara für das saharauische Volk zu bewahren. Unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende.

WSRW.org Archiv 2013
WSRW.org Archiv 2012
WSRW.org Archiv 2011
WSRW.org Archiv 2010
WSRW.org Archiv 2005 - 2009






Diese Internetseiten wurden von der norwegische Gewerkschaft Industri Energi gefördert